Sasha Pirker widmet sich mit „The Portrait of the Painter” der Darstellung künstlerischer Arbeit mit den Mitteln experimentellen Films. Als Ausgangspunkt – gewissermaßen als Originalschauplatz – dient ihr der Besuch eines Ateliers, und damit ein Einblick, dessen intimer Charakter durch die Guckkasteninstallation unterstrichen wird. Doch Pirker verwendet vorerst nur den vor Ort aufgenommenen Originalton, in dem eine Malerin bei ihren Arbeitsvorbereitungen zu hören ist. Es sind unspektakuläre Geräusche (das Herumgehen, das Einfüllen von Flüssigkeit, leichtes Hämmern) über die Sasha Pirker eine weitere Tonspur, mit einer nüchtern gesprochenen Aufzählung von Pigmentfarbenbezeichnungen legt, die an drei markanten Stellen (Barytweiss, Manganblau, Lampenschwarz) durch knappe sachliche Erläuterungen ergänzt wird. Bewusst asynchron zur Tonebene, die auf diese Weise Farbe als eines der Zentralthemen jeder malerischen Arbeit auditiv-haptisch vorstellbar macht, sieht der Betrachter eine sorgfältige Choreographie von digital erstellten Farbtönen, die vorerst offensichtlich nicht mit der Aufzählung im Text korrespondieren, bevor alle Werkebenen im abschließenden Schwarz zueinanderfinden. Mit dem Ausblenden eines Protagonisten und der formalen Reduktion in Bild und Ton stellt sich Pirker filmisch der zentralen Herausforderung jedes Standes- bzw. Berufsportraits, die bei „The Portrait of the Painter” darin besteht, über künstlerische Arbeit im Allgemeinen, und über das Wesen der Malerei im Speziellen nachzudenken. (Martin Fritz)