X
DONALD JUDD and I
03:30 min, A/USA 2016, engl. OV
Der Titel des Films verweist auf eine Beziehung, mehr noch, auf Vertrautheit und Intimität: "Donald Judd und ich" - so etwas sagt sich beiläufig nur aus nächster Nähe. Tatsächlich aber sind in Sasha Pirkers nicht einmal 4-minütige Miniatur DONALD JUDD and I gleich mehrfache Beziehungen und Wechselverhältnisse eingefaltet.

Auf der Erzähloberfläche ist das "Ich" zunächst der weiblichen Off-Stimme zuzuordnen. Sie gehört Marianne Stockebrand, Judds später Lebensgefährtin, die sich an einen gemeinsamen Besuch im Schindler-House in der King´s Road in Los Angeles im Jahr 1988 - vielleicht war es auch 1989 - erinnert. Währenddessen durchmisst die Kamera in statischen und anfangs stark fragmentarischen Einstellungen einen ganz anderen (gegenwärtigen) Raum: das lichtdurchflutete Whyte Building an der Oak Street in Marfa, Texas, Teil der von Judd gegründeten Chinati Foundation, die Stockebrand nach dessen Tod viele Jahre weiterleitete. Der über die Erinnerung ins Jetzt zurückimaginierte Raum, in dem Donald Judd gerade Schindlers Möbel für sich entdeckt (der Deal für die Produktion eines kompletten Sets ist schnell gemacht), legt sich wie eine Folie auf den realen Raum, in dem das eigenwillig kantige Mobiliar des österreichischen Architekten mit frühen Gemälden des Minimal Art Künstlers eine neue Beziehung eingeht. Die vermeintlich "exklusive" Paarbeziehung von Donald Judd und "Ich" öffnet sich so zu einem vielschichtigen Dialog, in den freilich auch Sasha Pirker mit eingeschlossen ist. Nicht zuletzt erzählt DONALD JUDD and Ivon der Begegnung einer Filmemacherin mit einem (kunst-)historisch aufgeladenen Ort und einer "kleinen" Geschichte, deren Erzählfäden am Ende in einem Raum zusammenlaufen. (Esther Buss)
 
Wie modernistische Möbel aus dem «Schindler House» in Los Angeles (bevor das MAK dort eine Außenstelle hatte) und welche der exquisitesten Bilder des Minimalisten Donald Judd fern vom Kunstbetrieb in Marfa, Texas, zusammengeführt wurden, erzählt Marianne Stockebrand, Judds späte Lebensgefährtin (und nach dessen Tod Direktorin der von ihm gegründeten Chinati Foundation). Währenddessen sprechen die Bilder andere Sätze: Da treten nicht nur Schindlers klare, scharfe Kanten mit den kargen Formen Judds in Dialog, sondern beide in eine Beziehung zu dem Haus, in dem sie sich befinden. (Viennale 2016)